Feuer Und Stein by Diana Gabaldon

Feuer Und Stein by Diana Gabaldon

Author:Diana Gabaldon [Gabaldon, Diana]
Language: deu
Format: epub
Tags: Roman
ISBN: 9783442358465
Publisher: Goldmann
Published: 1991-01-01T23:00:00+00:00


Ich taumelte durch den Raum, immer noch schwach auf den Beinen, und brach dankbar auf dem großen Himmelbett zusammen, das uns als Jungvermählten offenbar zustand. Es war weich, einladend und sauber. Ich fragte mich, ob es der Mühe wert sei, aufzustehen und mir das Gesicht zu waschen, bevor ich meiner Müdigkeit nachgab.

Ich hatte soeben beschlossen, daß ich mich allenfalls beim Schall von Gabriels Posaune erheben würde, als ich merkte, daß Jamie, der sich nicht nur Gesicht und Hände gewaschen, sondern auch die Haare gekämmt hatte, auf dem Weg zur Tür war.

»Legst du dich nicht hin?« rief ich. Ich dachte, er müsse ebenso müde sein wie ich.

»Gleich, Sassenach. Ich habe noch eine Kleinigkeit zu erledigen.« Er ging aus dem Zimmer, und ich starrte die eichene Tür mit einem höchst unbehaglichen Gefühl in der Magengrube an. Ich dachte an das erwartungsvolle Strahlen in Laoghaires Gesicht, als sie um die Ecke bog und Jamies Stimme hörte, das sich in zorniges Entsetzen verwandelt hatte, als sie mich in seinen Armen sah. Ich erinnerte mich, wie Jamie bei Laoghaires Anblick zusammengezuckt war, und wünschte mir glühend, ich hätte in diesem Moment sein Gesicht sehen können. Höchstwahrscheinlich hatte er sich jetzt, müde wie er war, aber gewaschen und gekämmt, auf den Weg gemacht, um das Mädchen gewissermaßen offiziell von seiner Heirat zu unterrichten. Hätte ich sein Gesicht gesehen, hätte ich zumindest eine Vorstellung davon gehabt, was er ihr sagen wollte.

In Atem gehalten von den Ereignissen der letzten Monate, hatte ich das Mädchen fast vergessen. Zugegeben, ich hatte an sie gedacht, als wir unsere Heirat zum ersten Mal ins Auge faßten. Damals hatte Jamie nicht einmal andeutungsweise verlauten lassen, daß Laoghaire ein Hindernis für ihn war.

Andererseits, wenn ihr Vater nicht erlaubte, daß sie einen Geächteten heiratete - und Jamie eine Frau brauchte, um seinen Anteil an den Pachteinnahmen einzustreichen … nun, dann war es ihm vielleicht egal, wen er heiratete. Ich glaubte Jamie inzwischen so gut zu kennen, daß ich sah, wie weit seine praktische Veranlagung reichte. So mußte es auch sein bei einem Mann, der viele Jahre seines Lebens auf der Flucht verbracht hatte. Gefühle oder die Anziehungskraft von rosigen Wangen und Haaren, die gesponnenem Gold glichen, würden seine Entscheidungen nicht beeinflussen. Das hieß nicht, daß die Gefühle und die Anziehungskraft nicht existierten.

Da war schließlich jene kleine Szene im Alkoven, deren Zeugin ich geworden war; immerhin hatte Jamie das Mädchen auf dem Schoß gehabt und leidenschaftlich geküßt. (Ich habe Frauen in den Armen gehalten, so drang seine Stimme wieder an mein Ohr, und ich bekam Herzklopfen und mußte rascher atmen …) Ich stellte fest, daß ich die Fäuste unter der grünen und gelben Decke geballt hatte. Ich zog sie fort und wischte über meinen Rock. Dabei merkte ich, wie schmutzig meine Finger von der Reise waren.

Ich stand auf und ging zur Waschschüssel. Meine Müdigkeit war vergessen. Ich entdeckte zu meiner Überraschung, daß mir die Erinnerung daran, wie Jamie das Mädchen Laoghaire küßte, überhaupt nicht gefiel. Ich besann mich darauf, was er dazu gesagt hatte - Es ist besser zu freien, als von Begierde verzehrt zu werden, und ich war eben ziemlich begierig.



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